Sex-Tipps

Sich selbst filmen: Wie es unter euch beiden bleibt

Viele Paare filmen sich irgendwann selbst. Es später anzuschauen kann überraschend aufregend sein – ihr seht euch so, wie euer Partner euch sieht, und diese Perspektive bekommt man sonst nie. Das ist ein völlig normaler Wunsch, und es gibt nichts, wofür man sich komisch fühlen müsste. Dieser Text will euch das nicht ausreden. Er will dafür sorgen, dass das, was ihr für euch beide gemacht habt, auch etwas für euch beide bleibt.

Alles hängt am Vertrauen

Alles Weitere hier ist nur eine Folge dieses Punktes.

Das Einverständnis, gefilmt zu werden, muss ausdrücklich sein – und es muss jedes Mal neu gegeben werden, nicht einmal für immer. "Du hast im März Ja gesagt" ist im November kein Einverständnis. Fragt, bevor die Kamera rauskommt, jedes Mal, genauso selbstverständlich wie bei allem anderen auch. Wenn dein Partner zögert, ist das für heute ein Nein. Nach einem Nein ein zweites Mal zu fragen, ist keine Überzeugungsarbeit, sondern Druck – und Druck ist kein Einverständnis. Ein Ja nach ein paar Gläsern übrigens auch nicht.

Und das Einverständnis muss auch nachträglich widerrufbar sein. Genau diesen Teil überspringen die meisten Paare. Vereinbart jetzt, dass jede und jeder von euch jederzeit "Lösch das eine" sagen darf – aus jedem Grund oder ohne Grund – und dass es dann sofort gelöscht wird. Während die andere Person danebensteht. Ohne Diskussion, ohne Verhandeln, ohne den halben Abend beleidigt zu sein, ohne "aber genau das ist doch mein Lieblingsvideo". Du löschst es, du sagst "erledigt", und damit ist die Sache durch. Wer das nicht kann, ohne ein Drama daraus zu machen – da ist die ehrliche Antwort: Dann filmt ihr noch nicht.

Falls euch Zwischenfragen im Moment unangenehm sind, ist Reden beim Sex ein guter Anfang.

Der unangenehme Teil, einmal gesagt

Es gibt im Netz eine gewaltige Menge intimen Materials, dem die abgebildete Person nie zugestimmt hat. Fast nichts davon wurde mit diesem Ziel gefilmt. Die Paare, denen das passiert ist, haben ebenfalls jemandem vertraut – meistens jemandem, dem zu vertrauen damals jeden Grund hatte.

Das soll euch nicht abschrecken. Es soll erklären, warum sich die zehn langweiligen Minuten weiter unten lohnen. Der Unterschied zwischen einem privaten Video, das privat bleibt, und einem, das es nicht tut, ist selten dramatisch. Es sind meist ein paar kleine Entscheidungen, die vorher getroffen wurden.

Die Dateien sicher halten

Das ist der praktische Teil – und der Teil, der euch tatsächlich schützt.

  • Automatische Synchronisation ausschalten, bevor ihr filmt, nicht danach. Die meisten Pannen entstehen nicht durch Hacker, sondern dadurch, dass eine Galerie-App genau das tut, wofür sie gebaut wurde: hochladen. In die Cloud-Sicherung, in ein geteiltes Familienalbum, auf den Laptop mit demselben Konto, aufs Tablet der Kinder, auf den Fernseher im Wohnzimmer, der bei euren Fotos angemeldet ist. Schaut nach, was euer Handy wirklich sichert. Funktionen wie "gesperrter Ordner" oder "verstecktes Album" synchronisieren manchmal trotzdem in irgendeiner Form – prüfen statt annehmen.
  • Gesichter aus dem Bild lassen. Ein Ausschnitt ab dem Hals abwärts kostet euch fast nichts und verändert alles: Ein Leak wird damit überlebbar statt identifizierend. Nachträgliches Verpixeln geht auch, ist aber mehr Aufwand und schneller vergessen.
  • Nicht nur das Gesicht verrät euch. Tattoos, Muttermale, Narben, Piercings, der Ring oder die Kette, die du jeden Tag trägst – und der Raum selbst: euer Kopfteil, eure Vorhänge, das Poster an der Wand. All das leistet dieselbe Arbeit wie ein Gesicht. Eine schlichte Wand und kein Schmuck machen einen größeren Unterschied, als es klingt.
  • Handydateien können euren Standort enthalten. Fotos und Videos vom Handy tragen oft Metadaten in sich: Zeitstempel und häufig auch GPS-Koordinaten. Die reisen in der Datei mit, wenn ihr sie verschickt. Schaltet den Standortzugriff für die Kamera-App ab oder entfernt die Metadaten, bevor die Datei irgendwohin geht.
  • Weniger Kopien sind sicherer als mehr. Jedes Verschicken, jedes Backup, jedes "eine lege ich noch auf den Laptop" ist ein weiterer Ort, an dem es später auftauchen kann. Eine Datei, die nicht existiert, kann nicht durchsickern. Gemeinsam anschauen und noch am selben Abend löschen ist ein völlig gutes Ende – nirgends steht, dass eine Aufnahme aufgehoben werden muss.
  • Klärt vorher, was bei einer Trennung passiert. Sprecht es laut aus, solange es gut läuft: Wenn wir uns trennen, löschen wir beide alles, ohne Ausnahme und ohne "eins behalte ich". Dieses Gespräch ist fast unmöglich zu führen, wenn die Trennung schon läuft. Und dann macht es auch wirklich – inklusive der Kopie, die noch 30 Tage im Papierkorb-Ordner liegt.

Kurz zur Rechtslage

Jemanden ohne dessen Einverständnis zu filmen, ist in der Schweiz, in Deutschland und in der gesamten EU eine Straftat, und intime Aufnahmen ohne Einverständnis weiterzugeben, ist dort zusätzlich strafbar. Das gilt für Fremde genauso wie für Ex-Partner oder Ehepartner. Und falls es euch passiert: Für genau solche Fälle gibt es spezialisierte Beratungs- und Löschhilfe, es ist nicht eure Schuld, etwas gefilmt zu haben, und ihr müsst das nicht allein regeln.

Wenn der Reiz gerade darin liegt, es zu veröffentlichen

Für manche Paare ist das Publikum der eigentliche Punkt. Gesehen zu werden ist ein echter und weit verbreiteter Reiz – dieselbe Strömung wie beim Reiz verbotener Orte – und das muss euch niemand ausreden.

Seid euch dabei nur über eines im Klaren: Sobald es online ist, lässt es sich praktisch nicht mehr überall entfernen. Downloads, Reposts, Spiegelseiten und Archive überleben jede Löschanfrage. Ihr bekommt eine Kopie meist von dort weg, wo ihr sie hochgeladen habt; ihr bekommt sie nicht von überall dort weg, wohin sie inzwischen gewandert ist. Trefft diese Entscheidung also als eine dauerhafte, nicht als eine umkehrbare – und trefft sie neu, beide, nicht eine Person für zwei. Wenn ihr es dann immer noch beide wollt: Ohne Gesicht und ohne erkennbare Merkmale ist diese Entscheidung deutlich günstiger zu leben.

Die Kurzfassung

Es geht um eure Intimität, nicht um das ganze Internet. Fragt jedes Mal, löscht auf Zuruf ohne Diskussion, haltet die Zahl der Kopien klein, lasst die Synchronisation aus und die erkennbaren Details aus dem Bild. Dann ist die Kamera einfach eine weitere Art, einander Aufmerksamkeit zu schenken – mehr sollte sie nie sein.